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Miteinander für Europa

(Erschienen im Anker-Freundesbrief 3/07): Es ist Samstag, 14.17 Uhr. Eben noch drängelte ich mich durch den langen Flur in der Stuttgarter Hans-Martin-Schleyer-Halle. Nach der Mittagspause komme ich nur mit einer guten Portion Geduld zurück zu meinem Platz im 19. Block. Ich atme durch und blicke auf Tausende von Menschen.

Auf der Bühne sorgt Judy Bailey für gute Stimmung. Was sie singt, scheint mir im Moment nur nebensächlich. Doch was ich sehe, fasziniert mich: Durch die grauen Gänge in der Halle tanzt eine lange Menschenschlange ausgelassen, die Hände auf den Schultern des Vordermannes liegend. Wer? Junge Männer, ältere Damen in schicken Kleidern, Schwestern in Tracht. Irgendwo erblicke ich ein Paar beim Discofox. Einige Reihen vor mir ein älterer Herr im grauen Anzug. Mit erhobenen Händen tanzt er für sich alleine fröhlich im Kreis herum. Ich zücke Stift und Papier und versuche das, was hier vor sich geht, in Worte zu fassen ...
Gelungener Start
Vertreter aus über 240 verschiedenen christlichen Bewegungen, Gemeinschaften und Initiativen sind hier beim Europakongress versammelt: katholische und evangelische Christen, Orthodoxe, Leute aus freikirchlichen Gemeinden – Italiener, Franzosen, Engländer, Deutsche ... Das, was in den letzten Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten beinahe unmöglich erschien, wird hier Realität: Christen, die ihrem Glauben auf zum Teil völlig unterschiedliche Art und Weise Ausdruck verleihen, finden zusammen und erleben ihr Miteinander als Bereicherung. Seit dem ersten „Miteinander für Europa“ im Jahr 2004 ist einiges geschehen. Die verschiedensten Bewegungen und Gemeinschaften haben einander kennen und schätzen gelernt. Impulse wurden weitergegeben – sogar über die Grenzen Europas hinweg.
Ein kleines Stück davon durfte ich selbst ganz konkret erleben: Beim zweitägigen Kongress „Miteinander auf dem Weg“ für Verantwortliche, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der in den Europatag mündete, arbeitete ich in einem Forum zum Thema „Junge Erwachsene – dem Leben Richtung geben“ mit. Noch bereichernder als die Begegnungen während des Forums selbst waren die Kontakte im Vorbereitungsprozess in den letzten Monaten. Mehrmals traf ich mich mit Vertretern verschiedener CVJMs, der Communität Christusbruderschaft Selbitz, mit katholischen Geschwistern der Fokolar- und Schönstatt–Bewegung, der Franziskanerinnen von Sießen und der charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche. Wir erzählten uns gegenseitig von der Entstehung unserer jeweiligen Bewegung oder Gemeinschaft und von der Art und Weise, wie wir unseren Glauben leben und wie wir junge Erwachsene in ihrem Christsein begleiten und fördern. Schnell fiel uns auf, dass wir – bei aller Unterschiedlichkeit – doch dieselbe Wurzel haben: Jesus Christus. Er ist unser Ursprung und der Grund für alles, was wir sind und tun. Aber nicht nur das: Er ist auch das Ziel. Jesus ist der, zu dem alles hinführt. Der Weg dazwischen sieht jedoch bei jedem anders aus.
Was mir wichtig wurde
Wie es mir mit all dem in den letzten Tagen ging? Vieles erlebte ich als gar nicht so fremd. Selbst in der katholischen Kirche aufgewachsen, dann einige Jahre in der evangelischen Landeskirche und im CVJM tätig, weiter über charismatische Kreise und nun hier im Wörnersberger Anker, wo all deren Ausdrucksformen ihren Platz finden, fühlte ich mich in dem Stuttgarter Miteinander doch recht wohl ...

Zunächst möchte ich allen Mut machen, die diesen Artikel lesen, selbst immer mal wieder über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Es lohnt sich auf alle Fälle. Dann finde ich es erstaunlich, wie viele verschiedene Bewegungen und Gemeinschaften es unter uns Christen gibt. Alle haben sie irgendwo ihre Anfänge. Überall ist irgendwann etwas Neues entstanden, weil Menschen einer bestimmten Sehnsucht gefolgt sind. Und wer weiss, was in Zukunft noch kommen wird. Ich denke, eine Vielfalt an Ausdrucksformen unseres Glaubens ist vor allem deshalb wichtig, weil auch wir Menschen so vielfältig sind. Jeder soll seinen Platz in der christlichen Welt finden. Mir ist wichtig geworden, dass es nicht um ein “Richtig oder Falsch”, sondern vielmehr um ein “So oder So” geht. Was ich mit meinen Augen sehe, ist das eine. Doch Gott schaut tiefer, er sieht das Herz an. Ich bin froh, dass er nicht fragt, ob ich evangelisch oder katholisch bin, ob ich der Landeskirche oder einer freien Gemeinde angehöre. Er fragt: „Hast du mich lieb?“ Und dazu muss ich meine ganz persönliche Antwort geben - und mein Nebensitzer in der Stuttgarter Schleyerhalle eben auch.
Und jetzt?
Samstag, 18.49 Uhr. Ich sitze in der S-Bahn und denke über all die Eindrücke noch einmal nach. Wie sehen all die anderen eigentlich mich und meine Art, mein Christsein auszudrücken? - Ist mir im Moment ehrlich gesagt egal! Trotz “Einheit” bin ich, wie ich bin. Ich habe meine ganz persönlichen Vorstellungen und Ausdrucksweisen, die sich im Laufe der Zeit verändert haben. Und mit diesen geht es mir wunderbar. Vielleicht kann ja nicht nur ich von anderen lernen, sondern sie auch von mir?!

Ich frage mich, wie alles weitergeht. Welche Auswirkungen wird dieser Kongress wohl haben? Einheit im Großen ist das eine. Einheit im Kleinen zu leben, ist möglicherweise eine noch größere Herausforderung. Wie reagiere ich, wenn die Menschen, mit denen ich tagtäglich zu tun habe, ähnlich unterschiedliche Vorstellungen haben oder andere Schwerpunkte legen in Bezug auf bestimmte Handlungsweisen? Das ist ja normal und wird vermutlich auch immer so bleiben.

Wenn wir uns irgendwann mal wieder an unserer Verschiedenheit stoßen sollten, dann lasst uns daran denken, was wir zusammen mit Albert Frey, Andrea Adams-Frey und Tausenden von Geschwistern gesungen haben. Lasst uns an die Worte denken, die man nur in Ehrfurcht vor unserem großen Herrn singen kann und die hoffentlich über die Hallenmauern hinaus in die gesamte Welt erschallen: „Für den König, für den Herrn, für ihn geben wir uns hin. Seine Ehre, unser Ziel, nichts bedeutet uns jemals so viel.“ Und darum geht es.


Persönlich berührt - Worte, die mir wichtig wurden:
  • „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt!“ (Jesus)

  • „Ich denke, Gott hat einen Traum – und ihr seid ein Teil davon!“ (Kardinal Walter Kasper)

  • Wohin geht der Weg? - Er muss in Jesus wurzeln und zu ihm hinführen!“ (Ulrich Parzany)

  • „Gottes Absicht ist eine versöhnte Vielfalt und kein Einheitsbrei!“ (Gerhard Proß)

  • „Wir haben viele Unterschiede – aber einen Herrn und Vater.“ (P. Heinrich Walter, Schönstatt–Bewegung)

  • „Einheit hat aber auch Grenzen: da, wo Jesus Christus an die Seite gedrückt wird“ (Bruder Franziskus, Gnadenthal)

  • Und für uns alle zum Nachdenken:
    „Wovor haben wir mehr Angst: vor der Einheit oder der Verschiedenheit?“


Kontakt

Wörnersberger Anker e.V.
Bettina Schaal
Christliches Lebens- und Schulungszentrum
Hauptstr. 32
D-72299 Wörnersberg
Tel: 07453/9495-0
b.schaal[klammeraffe]ankernetz.de

 
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