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Advent und Weihnachten

P. Herbert King. Auch dieses Mal wurde in unserem Land wieder Advent und Weihnachten gefeiert. Jedes Jahr neu, mit nicht erlahmendem Eifer. Nichts hat sich abgenützt. Was läuft da ab?

Gewiss, vielen Christen ist es dabei nicht so recht geheuer. Sie kritisieren die Kommerzialisierung und Veräußerlichung des Festes. Sein folkloristischer Charakter. Seine Entleerung, wo es um das zentral Christliche geht. Seine Namen sind Fest der Familie, Fest des Kindes, Fest des Friedens. Und doch halt auch, dieses Mal verstärkt wahrnehmbar, Fest des Glaubens.

Ein Fest der Geschenke. Tage, wo jeder darüber nachdenkt, was er wem schenken will und sollte. Interessant jedenfalls. Ebenso ein Fest der Briefe, der Mails, der Telefonanrufe, der Aktualisierung der persönlichen Netzwerke. Ebenso interessant, sehr interessant. Wir beobachten weiter. Vor allem ist es auch ein Fest des Schmückens der Häuser, der Geschäfte, Bahnhöfe, Flughäfen und vieler Straßen. Eine Zeit der Düfte, der Erinnerungen, der Lieder, Klänge, der Weihnachtsmärkte. Tendenz wachsend. Und tatsächlich eine Zeit der Kinder, auch des gemeinsamen Tuns mit ihnen (basteln, vorbereiten). Und auch ein Fest der Gottesdienstbesuche. Am interessantesten eigentlich.

Nicht früh genug kann man mit dem Advent anfangen. Früher, ganz früher, dauerte der Advent, in Analogie zur Fastenzeit, sechs Wochen. Vielleicht ist es so stimmiger schon immer gewesen.

Noch einmal: Was läuft da ab? Zunächst zum Advent. Zeit der Erwartung, der Sehnsucht. Advent ein (christlicher) Name für vieles, was in den Seelen der Menschen an Unzufriedenheit, Unerfülltheit, an Melancholie, auch depressivem Verhalten da ist. Zeit auch der Rührung und Tränen. Schade wenn von kirchlicher Seite darauf dann nur theologisch, ethisch oder gesellschaftskritisch geantwortet wird. Die. Vertreter unserer Kirchen (Bischöfe, Priester, Theologieprofessoren, Religionslehrer, "ehrenamtlich" Tätige, Bücherschreiber...) verpassen da eigentlich eine Chance bzw. verweigern unserer Gesellschaft einen Dienst, einen Dienst der Deutung. Und beklagen sich obendrein, dass ihre Stimme zu sehr ins Leere fällt.

Was läuft speziell an Weihnachten ab? Ich denke da ereignet(!) sich, könnte sich bei entsprechender Deutung ereignen, ein psychologischer Groß-Prozess des Umgehens mit dem Kind, auch und gerade mit dem inneren Kind, wie die Psychologie es heute neu entdeckt hat und beschreibt. Mit dem Kind in mir, dem Kind, das ich selbst war, dem Kind, das ich als Eltern selbst habe, mit dem Enkelkind, mit dem Kind, das ich nicht haben durfte, mit dem adoptierten Kind, mit dem sexuell missbrauchten Kind, dem geschlagenen und aus "erzieherischen" und sonstigen Gründen allzu sehr gedemütigtem Kind.

Auch mit dem Jesus Kind. Krippen haben Konjunktur, Krippen werden von Eltern und Kindern, aber auch von anderen viel, viel besucht, auch wenn man sonst vielleicht keinen Kontakt mit dem kirchlichen Gottesdienst hat. Und für viele ist der jährliche Krippenbau ein wichtiger kreativer Moment. Etwas, was ihre Psyche ihnen nahelegt. Was in der Seele dabei abläuft, weiß er vielleicht gar nicht, kann es jedenfalls nicht sagen. Er braucht es auch nicht zu sagen. Und doch schafft das Sagen einen echten "Mehrwert". Könnte einen solchen schaffen. Wenn es ihm jemand etwas vorformulieren würde.

Es ist die Chance, dem inneren Kind zu begegnen, auch seinen Wunden, oder der Hoffnung zu begegnen, dass da etwas geheilt werden kann. Die Aufgabe ist, solches zuzulassen und damit umzugehen.

Dass das Kind im Stall liegt, ausgestoßen ist und doch in unseren Krippen eine behagliche Atmosphäre der Geborgenheit verbreitet, willkommen ist, geliebt ist, ist bei allem persönlichen Leid wegen des Verletzten am inneren Kind ein wichtiger Trost und weckt Hoffnung. Die Armut des Kindes, Marias und Josefs sind da kein Hindernis, dass selbst Könige, Weise und Menschen von ganz weit her kommen um zu schenken und sich hinzuknien. Auch dies eine wichtige Symbolhandlung, die in mir stattfinden kann. Diese ist umso so mächtiger als auch heute, tatsächlich, Große und Kleine zum Kind kommen und kindliche Gefühle in sich spüren und zulassen.

Weihnachten ist sodann das Fest der Mutter, auch der Gottesmutter Maria. Nie wird in unserem Land die Gottesmutter Maria so gerne und aufmerksam gesehen wie in der Advents- und Weihnachtszeit. Das muss mit der Konfession nicht unbedingt etwas zu tun haben. Maria gehört, in zahllosen Darstellungen, tatsächlich, wenigstens an Weihnachten, allen, fast allen, vielen. Auch das ein wichtiger Aspekt in dem genannten gesellschaftlichen psychologischen Großprozess. Und auch hier fällt die Kirche, in dem oben angedeuteten Sinn, zu sehr aus. Zwischen reiner Theologie und Schelte wegen der Äußerlichkeit und "Säkularisierung" (es ist aber doch eher Sakralisierung) fehlt die psychologisch-spirituelle Deutung dessen, was die Menschen irgendwie spüren und erleben. Sehr viel tiefer, als Theologen dies für möglich halten. Es fehlt zu sehr das deutende, emporbildende und weiterbildende Wort.

Advent und Weihnachten, so wie es gefeiert wird, also ein mächtiges Zeitzeichen.

 
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